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Venedig und die Heißluftballons von 1784: Wissenschaft, Wunder und eine Episode der Eifersucht

Eine Reise durch den Briefwechsel zwischen Casanova und Pietro Zaguri: zwanzig Jahre Freundschaft, Briefe, Ironie und venezianisches Leben im Herzen des 18. Jahrhunderts.
Sabine HerrmannSabine Herrmann
Giacomo Casanova schreibt einen Brief mit einem Federkiel in einem von Kerzen beleuchteten Arbeitszimmer aus dem achtzehnten Jahrhundert.
Zusammenfassung
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Die Ankunft der Heißluftballons in Italien

Als die Gebrüder Montgolfier 1783 in Frankreich den ersten aerostatischen Flug vorstellten, war ganz Europa von diesem neuen Wunderwerk der Technik fasziniert.
Italien stand dem in nichts nach: Zwischen 1783 und 1784 häuften sich die Experimente von Rom bis Verona, von Pavia bis Mailand, an denen Wissenschaftler, Neugierige und Adlige teilnahmen, die an dieser scheinbaren Revolution der Weltanschauung interessiert waren.

Auch Venedig mit seinem natürlichen Hang zum Spektakel und zur Neuheit begrüßte sofort die Begeisterung der Aerostaten.

Die venezianische Flucht von 1784

Im April 1784 organisierte eine Gruppe venezianischer Patrizier – darunter die Familien Spinola und Avanzetti – den Start eines Heißluftballons.
Das Ereignis zog eine große Menschenmenge an: Die Stadt, die schon immer eine Vorliebe für öffentliche Zeremonien und außergewöhnliche Ereignisse hatte, konnte einem Ballon, der in den Himmel der Lagune aufstieg, nicht gleichgültig gegenüberstehen.

Wie bei den ersten französischen Experimenten wurden eine Katze und ein Hund in den Ballon gesetzt, damit die Auswirkungen des Fluges auf Lebewesen beobachtet werden konnten.
Der Ballon flog jedoch nicht weit: Er erreichte die nahe gelegene Insel Burano, wo sein Sturz einen Bauern erschreckte, eine Episode, die zu einer weit verbreiteten Anekdote in der Stadt wurde.

Guardi und das Ereignisbild

Der Maler Francesco Guardi, ein scharfer Beobachter des venezianischen Lebens, porträtierte die Episode in einem Gemälde, das die Atmosphäre zwischen Staunen und Neugier einfängt.
Das Gemälde fängt nicht nur die Szene des Fluges ein, sondern auch die Reaktion des Publikums: Erstaunen, Unglauben, das unmittelbare Bewusstsein, etwas Neues zu erleben.

Es ist eines der frühesten bildlichen Zeugnisse für die Anwesenheit von Heißluftballons in Venedig und lässt uns erahnen, wie das Ereignis in den Augen der Zeitgenossen ausgesehen haben muss.

Francesca Buschini und das Casino dei Mongolfisti

Am Morgen des 5. Mai 1784 beobachtete Francesca Buschini – eine der Personen, die Casanova in seinen venezianischen Jahren am nächsten standen – von der Terrasse ihres Hauses aus einen weiteren aerostatischen Flug.
Die Chroniken berichten auch von ihrer Anwesenheit im Casino dei Mongolfisti, einem Treffpunkt für Liebhaber der neuen Erfindung.

Die Tatsache, dass eine Frau – noch dazu eine junge und temperamentvolle – an solchen Veranstaltungen teilnahm, bestätigt, dass die Ankunft der Heißluftballons als eine echte Attraktion der Stadt wahrgenommen wurde.

Casanovas Eifersucht

Zaguri erzählte Casanova von Buschinis Anwesenheit im Casino dei Mongolfisti, und diese einfache Nachricht hatte eine unerwartete Wirkung.
Casanova, nun weit weg von Venedig, reagierte mit heftiger Eifersucht und interpretierte diese Geste als mangelnde Loyalität.

Seine Verärgerung war so groß, dass er die Korrespondenz mit der jungen Frau für fast zwei Jahre unterbrach.
Diese Episode zeigt uns einen sehr menschlichen, verletzlichen Casanova, der sehr an der Erinnerung an seine Zuneigung hängt.

Eine kuriose und moderne Stadt

Venedigs Interesse am Heißluftballon war kein Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Aufgeschlossenheit gegenüber wissenschaftlichen Innovationen.
Zaguri, der immer neugierig auf die Erfindungen seiner Zeit war, sprach über sie mit der gleichen Begeisterung, mit der er Theaterstücke oder weltliche Ereignisse kommentierte.

Diese Episode – irgendwo zwischen Wissenschaft und Privatleben – zeigt uns ein lebendiges Venedig, das bereit ist, sich überraschen zu lassen, und zwei Protagonisten aus dem Venedig des 18. Jahrhunderts, die in einem Moment der Modernität und authentischer Emotionen gefangen sind.

Weitere Informationen

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Sabine Herrmann

Sabine Herrmann

Sabine Herrmann ist Historikerin für die Kultur des 18. Jahrhunderts und Kuratorin des wissenschaftlichen Projekts des Ständigen Museums für Giacomo Casanova im Palazzo Zaguri. Ihre Forschung konzentriert sich auf die intellektuelle Welt, in der Casanova agierte, mit besonderem Augenmerk auf die Korrespondenz und die europäische Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.

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